Sprudelnde Genüsse an der Proseccostraße

Venetien ist nicht nur die Heimat von Prosecco und Grappa, sondern auch ein Dorado für Feinschmecker. Für ein verlängertes Wochenende ist die Region Treviso wärmstens zu empfehlen.

Etwa sechs Autostunden von Wien entfernt liegt die Proseccostraße, wo sich wirklich alles um den berühmten italienischen Schaumwein dreht. Die malerische DOCG-Region, aus der der Prosecco Superiore kommt, liegt zwischen Conegliano und Valdobbiadene und erstreckt sich auf 6000 Hektar. Ein bisschen erinnert die von Weingärten auf sanften Hügeln und steilen Hängen geprägte Landschaft an die Südsteiermark.

Unser Quartier haben wir im kleinen Örtchen Guia aufgeschlagen. Via Airbnb haben wir eine gepflegte Wohnung mit zwei Schlafzimmern gefunden, die vom örtlichen Greißler und seiner Frau vermietet wird. Allzu viel Auswahl hat man hier punkto Übernachtung zwar nicht – die Hotels der Region kann man auf einer Hand abzählen. Es gibt aber einige Agriturismi (quasi Urlaub am Bauernhof) und Frühstückspensionen. Und Privatzimmervermietung eben.

Donnerstag

Nur wenige Kilometer von Guia entfernt liegt Miane, wo wir am Donnerstagabend – unserem Anreisetag – im angeblich besten Lokal der Region einkehren: Im „Ristorante da Gigetto„. Wir entscheiden uns für das achtgängige Überraschungsmenü um vergleichsweise günstige 45 Euro und bitten den Kellner, uns zu den jeweiligen Gerichten, die von Oktopus, über Pasta mit Jakobsmuscheln, bis hin zu herzhaften Fleischgerichten reichen, passende Weine zu servieren. Das klappt so lala, auf Weinbegleitung ist man an der Proseccostraße wohl eher nicht vorbereitet. Die Speisen schmecken aber hervorragend und per se ist auch der Wein gut.

Und zu viel Wein wollen wir ohnehin nicht konsumieren. Taxis oder gar öffentliche Verbindungen sind in der sehr ländlichen Region nämlich Mangelware.

Freitag

Am Freitag führt uns unser Weg dann auf den etwa 35 Kilometer entfernten Monte Grappa, auf dessen in 1745 Metern Höhe gelegenem Gipfel Mussolini einst ein monumentales Grabmal für die Tausenden im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten errichten ließ. Zwar führt eine gut ausgebaute Straße auf den Berg, von dem sich der Panoramablick wirklich auszahlt – man sollte aber ein bisschen Zeit einkalkulieren. Denn ob vieler Serpentinen und enger Straßenabschnitte dauert eine 35-Kilometer-Fahrt hier schon einmal mehr als eine Stunde.

Dafür gibt es entlang der Strecke viel zu sehen. Man könnte etwa einen Halt im pittoresken Bassano del Grappa einlegen oder einen Abstecher ins nahe Grappa-Museum machen. Wir entscheiden uns aber für den direkten Weg auf den Berg und halten wiederholt, um Fotos für Instagram zu machen. Von mehr oder minder aktiven Hirtenhunden, die hier Schafe hüten, von Kühen, die sich beim Fressen nicht aus der Ruhe bringen lassen und von Dutzenden Paragleitern, die von den Hängen des Monte Grappa starten. Und weil 35 Kilometer am Stück unzumutbar sind, wenn man immer wieder an kleinen Trattorias vorbeikommt, halten wir an einer davon und gönnen uns eine Runde Prosecco.

Nach dem Ausflug auf den Berg machen wir im malerischen Städtchen Asolo (auf ein Glas Prosecco) Station, bevor wir an einem Weingut halten, um mit unserer geplanten Prosecco-Einkaufstour zu beginnen.

Da die Winzer Mitte September gerade mit der Lese beschäftigt sind, sind zahlreiche Höfe geschlossen. In San Giovanni bei Valdobbiadene haben wir allerdings Glück. Im Weingut „Tenuta Guardian“ (Via Chiodari 5) lassen wir uns vom Sohn des Winzers drei verschiedene Schaumweine einschenken und erklären. Hier lernen wir, dass „Dry“ beim Prosecco nicht Trocken bedeutet, sondern lieblich. Will man tatsächlich trocken, muss man zu „Brut“ greifen. Null Zuckerrest heißt „Extra Brut“. Wir entscheiden uns für je eine Flasche Dry und Brut und bezahlen dafür zu unserer Überraschung 3,50 und 4,20 Euro.

Am Abend kehren wir in der „Trattoria alla Cima“ ein, die nicht nur für ihre Panoramaterrasse, sondern auch für ihre großen Portionen bekannt ist. Geboten wir regionale Küche zu moderaten Preisen. Ob der Bekanntheit des Lokals ist eine Reservierung empfehlenswert. Zum Essen trinken wir zur Abwechslung keinen Prosecco, sondern eine trockene weiße Cuvee vom Weingut Serafini & Vidotto, den „Phigaia El Blanco“ – der Wein ist ein Gedicht.

Samstag

Tag drei starten wir mit einem delikaten Frühstück am Landgut Borgoluce in Susegana. Zu Büffelmozzarella, regionalen Wurst- und Schinkenspezialitäten gönnen wir uns eine Prosecco- und Weinverkostung (der eine Flight besteht aus fünf verschiedenen Schaumweinen aus eigener Produktion, der andere aus einem trockenen Weiß- und zwei Rotweinen). Sämtliche landwirtschaftlichen Erzeugnisse können vor Ort auch gekauft werden.

Danach fahren wir wieder einige Weingüter an. Zuerst „Montesel“ (das Monte Sel und nicht Mont Esel ausgesprochen wird, wie der Juniorchef, der deutschsprachige Touristen gewohnt ist, betont) in Susegana (Via San Daniele 42). Dann das vom Falstaff prämierte Weingut „Bisol“ in Santo Stefano (wo die Schaumweine schon etwas mehr kosten und wo der teuerste mit 17,50€ zu Buche schlägt). Und schließlich zu „La Tordera“ in Vidor (Via Alne Bosco 23). Insbesondere die beiden letztgenannten Weingüter sind stolz, dass sie ihre Glera-Trauben (aus denen der Prosecco vinifiziert wird) in der nur 107 Hektar großen Top-Lage Cartizze angebaut haben. In allen  Betrieben werden wir kompetent und freundlich beraten. „La Tordera“ ist aber unser persönlicher Favorit – das Familienweingut vereint eine großes Spektrum, hervorragende Qualität und moderate Preise. Hier kaufen wir das meiste ein.

Mit dem Kofferraum voller Prosecco machen wir kurz bei einer regionalen Sehenswürdigkeit halt: bei der malerischen kleinen Wassermühle „Molinetto della Croda„, in der ein Museum eingerichtet ist.

Fürs Abendessen reservieren wir bereits am frühen Nachmittag einen Tisch im „Relais Dolcevista“ bei Valdobbiadene. Dort werden 1-Kilo-Steaks am offenen Feuer gegrillt (was ein Freund von uns bestellt und tatsächlich restlos aufisst), auf der Karte steht aber auch eine hervorragende Lasagne. Sehr zu empfehlen sind das Tiramisu und das Panna Cotta mit dunklen Beeren. Die Preise sind etwas höher, aber noch im anständigen Bereich.

Sonntag

Den Heimreisetag gehen wir ganz gemütlich an. Und zwar mit einem Frühstück mit Top-Aussicht in einem Wirtshaus ohne Wirt. Das heißt auch so: In der „Osteria senz ‚Oste“ bei Santo Stefano nimmt man sich selbst Speck, Schinken, Salami, Käse und natürlich Prosecco aus dem Kühlschrank bzw. Brot aus dem Regal. Die Preise stehen auf der Verpackung und bezahlt wird (möglichst ehrlich) an einer Bankomatkassa – und wenn die wie in unserem Fall nicht funktioniert, lässt man das Geld einfach in einer kleinen Spardose zurück. Die Gläser drückt man sich in einem Automaten herunter und dann genießt man den herrlichen Ausblick auf die Strada del Prosecco vom kellnerlosen Schanigarten aus.

Wer denkt, dass dies die skurrilste Sehenswürdigkeit der Region ist, der irrt. Von der Osteria führt nämlich ein schmaler Treppelweg den Weinberg hinauf. Auf dem Gipfel laden Sessel und Tische zwischen den Weinstöcken zum Verweilen ein – und daneben sind drei riesige Automaten prall gefüllt mit lokalen Spezialitäten und Prosecco.

Die letzte Station unseres Wochenendtrips nach Venetien ist das regionale Zentrum Conegliano, wo just während unseres Besuchs ein Weinfest auf de Hauptplatz stattfindet. Ansonsten finden wir das Städchen nicht besonders reizvoll. Im Juni dürfte es aber einen Besuch wert sein: denn da findet im Zentrum ein überdimensionales Dame-Spiel mit Darstellern in historischen Kostümen statt.

Hier noch ein paar weitere Eindrücke:

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