Eigentlich wollten wir ja Wellnessurlaub machen. Irgendwo unweit der (ost)österreichischen Grenze, nicht allzu teuer und mit ein bisschen Rahmenprogramm. Die Wahl fiel letztlich auf Sopron – oder Ödenburg, wie die 70 Kilometer von Wien entfernte westungarische Kleinstadt auf Deutsch heißt. Den meisten ist die Region wahrscheinlich für ihre hohe Zahnarzt-Dichte bekannt – und die ist hier wahrlich nicht zu übersehen. Davon (und von zahlreichen Beauty- und Massage-Salons) abgesehen, hat Sopron aber noch viel mehr zu bieten. Hier unsere persönlichen Highlights:

# Gastronomie

Insbesondere im Zentrum ist quasi für jeden Geschmack etwas dabei. Über das jeweilige Angebot kann man sich auf den jeweiligen Websites informieren – die allerdings nur zum Teil eine deutsche Übersetzung anbieten. 

Sehr gut und im Vergleich zu Wien preislich moderat haben wir zum Beispiel in Papa Joe’s Saloon & Steakhouse gegessen. Das Beef Tatar kostet hier 8 Euro, ein schönes blutiges Steak mit Grillgemüse und Pfeffersauce ein bisschen über 14 Euro, die Knoblauchcremesuppe im Vollkornbrot-Wecken 4,40 und die knusprigen Hühnerflügel 5,90 Euro. Für Craftbeer-Fans gibt’s hausgemachtes „Papa Joe’s“-Pils. Und auch atmosphärisch hat uns das Lokal überzeugt – denn der Name des Restaurants ist Programm: Der dunkel getäfelte Saloon ist in bester Western-Manier eingerichtet, an der Bar sitzt man auf Pferdesätteln und die Türschnallen sehen aus wie Colts.  

Direkt vis-a-vis von Papa Joe’s Saloon geht es zwar weniger urig zu. Im stylishen El Gusto Cafe & Bistro auf der anderen Straßenseite isst man aber ebenfalls sehr gut. Auf der Karte stehen neben diversen Frühstücksangeboten (die es den ganzen Tag lang gibt) Hauptgerichte sowie Pasta und Burger. Hier haben wir am späten Vormittag unter anderem hervorragende Eggs Benedict, ein ganz anständiges Beef Tatar sowie einen richtig guten Thunfischsalat bekommen. Die Eggs waren mit etwas über 4 Euro absolute Preis-Leistungs-Heroes.

Apropos Frühstück: Eine größere Auswahl findet man im Kulturpresszo, einem schicken Bobo-Cafe samt trendy Klamottenshop direkt an der Grabenrunde vor. Auf der Karte stehen Bagels, Toasts und Croissants sowie das Champagner-Frühstück. Zudem werden hier die angeblich schönsten Kaffees der Stadt serviert. Und – wie in fast allen Innenstadtlokalen der Weinmetropole Sopron – gibt es natürlich auch eine mittelgroße Weinauswahl.   

Stilistisch ganz anders ist das Levendula Cafe eingerichtet. Im liebevoll und durchwegs in Lavendel-lila gestalteten Mini-Lokal werden täglich vegane und zuckerfreie Torten zubereitet. Und die sind echt gut, wie wir nach dem Genuss einer Kaffee-Maroni- und einer Nutella-Nuss-Torte bestätigen können. Im Sommer gibt’s außerdem Eis.

Süßes steht auch im Kifözde Palacsinta im Fokus. Neben ein paar Dutzend süßen und ebenso vielen salzig-gefüllten Palatschinken-Variationen wird hier eine Auswahl an gebackenen und gegrillten Riesenpalatschinken geboten. Wir haben uns zwar eine Nutella-Bananen- und eine Marmelade-Palatschinke gegönnt und waren mit Qualität und Preis durchaus zufrieden – wirklich gemütlich fanden wir das kleine Selbstbedienungsbeisl aber nicht.  

Natürlich haben wir auch ein paar der zahlreichen Weinlokale der Stadt unter die Lupe genommen. Besonders gefallen hat uns das Tastevino, eine klassische kleine Weinbar, in der neben ungarischen und burgenländischen Weinen Schinken- und Antipasti-Teller serviert werden und in der man die Weine auch kaufen kann.

Sowie das weit schickere Koffer. Letzteres hat Weine aus sämtlichen ungarischen Weinbauregionen auf der Karte stehen – aber leider nur auf Ungarisch, weshalb man sich bei der Bestellung ohne Hilfe der Kellnerin etwas schwer tut. Punkto Menge hat man die Wahl zwischen 1 oder 2 Zehntellitern oder gleich einer ganzen Flasche. Wobei man prinzipiell sagen muss, dass Wein in der ungarischen Gastronomie vergleichsweise günstig ist. Für einen Deziliter haben wir je nach Prominenz des Winzers umgerechnet zwischen 1,20 und 2,50 Euro bezahlt.

Leider nicht geöffnet hatte während unseres Wochenendbesuchs der zentral gelegene Edel-Stadtheurige Cezar Pince, der recht gute Tripadvisor-Bewertungen hat. Empfohlen werden in diversen Kulinarikforen außerdem die Restaurants Erhardt, das in einer Gasse mit mehreren Heurigen liegt, und das Graben.

# Wein  

Da Sopron eine eigene Weinregion ist, gibt es reichlich Möglichkeiten, Weine zu probieren bzw. zu kaufen. Neben einer Vielzahl an Weinbars und Vinotheken, stehen die lokalen Weine in so gut wie jedem besseren Lokal der Innenstadt auf der Karte. Punkto Stilistik und Qualität sind uns kaum Unterschiede zu den österreichischen Weinen aufgefallen. Was zum einen daran liegen mag, dass gerade in Sopron mit Grünem Veltliner (Zöldveltelini), Riesling (Rizling), Chardonnay, dem sehr an Gelben Muskateller erinnernden Irsai Oliver sowie Blaufränkisch (Kekfrankos, auf den man hier besonders stolz ist), Zweigelt, Pinot Noir und Merlot weitgehend dieselben Sorten wie bei uns angebaut werden. Und zum anderen wohl auch daran, dass renommierte österreichische Winzerfamilien wie Weninger und Pfneiszl sowohl im Burgenland als auch in Westungarn aktiv sind. Andere bekannte Weingüter der Region sind Vinceller, Taschner, Ivancsics oder Jandl. Die ungarische Paradesorte Furmint haben wir in Sopron nur vereinzelt wahrgenommen.

# Sehenswürdigkeiten

Eines vorweg: Sopron ist nicht groß. Um die Sehenswürdigkeiten abzugrasen, reicht im Prinzip ein Tag. Dafür findet man eine ganze Reihe wunderschöner Fotomotive vor, wenn man mit offenen Augen durch die Altstadt, durch die Neugasse mit ihren bunten Häuserfassaden und der Alten Synagoge, über den Hauptplatz mit der berühmten Geißkirche sowie der Dreifaltigkeitssäule und den Ursulinenplatz mit der Ursulinenkirche spaziert.

Entlang der alten Stadtmauer gibt es eine Reihe netter Lokale, vor dem Kulturzentrum Franz Liszt bietet ein überdimensionaler bunt designter SOPRON-Schriftzug den geeigneten Background für touristische Selfies und vom Rundbalkon des 58 Meter hohen Feuerturms genießt man einen wunderbaren Ausblick über die Stadt (sofern man die fast 200 Stufen der Wendeltreppe im Inneren des Turms ohne Herzinfarkt übersteht). Auf dem Feuerturm ist man übrigens Internet-affin: diverse Accessoires wie ein überdimensionaler Facebook-Rahmen liegen für Instagram-Profis bereit.

Einen ganz guten Blick über die Stadt – wenn auch nicht so einen perfekten wie vom Feuerturm – hatten wir übrigens auch von der Dachterrasse des Hotel Pannonia.

Abseits der „offiziellen“ Sehenswürdigkeiten gibt es in Sopron vormittags einen Bauernmarkt (Vasarcsarnok) neben dem Busbahnhof, der während der warmen Jahreszeit allerdings besser besucht sein dürfte als im Winter; die spärlichen Überreste des Amphitheaters Scarbantia sowie eine 900 Meter lange Sommerrodelbahn – Letztere war während unseres Aufenthalts aber leider nicht in Betrieb. Ganzjährig geöffnet ist dagegen die etwa 1,5 Kilometer außerhalb des Zentrums gelegene Schokomanufaktur der (österreichischen) Konditordynastie Harrer. Hier kann man wie in einem herkömmlichen Kaffeehaus – mit tollem Blick auf die Stadt – einkehren oder diverse Pralinenvariationen an der Glastheke kaufen. Gegen Terminvereinbarung sind aber auch Einblicke hinter die Kulissen und Schoko-Verkostungen möglich.

# Wellnessfaktor

Da wir abseits unserer kulinarischen Entdeckungstour einen Hauch von Wellness genießen wollten, haben wir uns (samt unserem Hund Murphy) im alt-ehrwürdigen Vier-Stern-Hotel Pannonia einquartiert. Das offiziell als „Med Hotel“ geführte Haus liegt super zentral, hat durchaus historischen Charme und (natürlich) eine eigene Zahnarztpraxis. Wer Wert auf Wellness legt, sollte seine Ansprüche aber nicht zu hoch ansetzen. Zwar gibt es ein Schwimmbecken, einen Whirlpool, ein Dampfbad und Saunen – all das ist aber in überdimensionierten kahlen Räumen untergebracht, die klassischen Ostblock-Charme versprühen. Von den Wänden bröckelt zum Teil der Verputz ab und von den unbequemen Holzliegen bekam man nach kurzer Zeit Kreuzschmerzen. Unsere Wellness-Zeit fiel dementsprechend kurz aus. Gut fanden wir in dieser Hinsicht bloß das günstige Massagen-Angebot im Hotel: Für umgerechnet jeweils 18 Euro haben wir uns eine 25-minütige Fußreflexzonen- sowie eine schwedische Rückenmassage gegönnt.

Wer wegen Wellness und/oder Beauty-Angeboten nach Sopron fährt, dürfte z.B. mit dem Wabi-Beauty-Center samt Hotel kurz nach der österreichischen Grenze besser bedient sein. Über die Stadt verteilt gibt es zudem zahlreiche Massagestudios, in der die halbstündige Ganzkörpermassage ungefähr 14 Euro kostet.

# Unterkunft

Punkto Gastfreundlichkeit gibt es am Hotel Pannonia aber nichts auszusetzen. Am Anreisetag bekamen wir ein Willkommengetränk an der Hotelbar (ungarischer Sekt ist echt empfehlenswert), das Zimmer hatte eine gut bestückte (und vergleichsweise günstige) Minibar, ein Bad mit Badewanne sowie eine riesige Terrasse und zum durchaus anständigen Frühstücksbuffet im geschichtsträchtigen Speisesaal gehörte ein Barista, der individuelle Kaffeewünsche zur allgemeinen Zufriedenheit erfüllte. Zudem sind Haustiere willkommen. Was uns darüber hinaus am besten gefallen hat, war die riesige Dachterrasse, die neben einem guten Blick auf die Stadt etliche Sitzgelegenheiten sowie einen Fußball- und einen Basketballplatz bereithält.

# Erreichbarkeit

Für Sopron spricht nicht zuletzt die Nähe zu Österreich. Von Wien sind es über die A3 nur rund 70 Kilometer, in weniger als einer Stunde ist man von der Haustür im Zentrum der Stadt. Wer wie wir mit dem Auto kommt, muss mit Parkgebühren in der Innenstadt rechnen. An Wochenenden ist das Parken allerdings gratis. Und auch sonst ist es nicht teuer. Wir haben an einem der vielen Ticketautomaten für fast 3 Stunden umgerechnet 2,20 Euro bezahlt.

Hier noch ein paar Impressionen:

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