Harry Potter am Wörthersee: Was man in Klagenfurt alles erleben kann

Nach unserem einwöchigen Trip durch die Steiermark, hatten wir noch einmal Lust auf Urlaub in Österreich. Dieses Mal standen uns aber nur drei Nächte zur Verfügung. Und die haben wir in Kärnten verbracht. Die erste in Klagenfurt am Wörthersee und die restlichen beiden am Millstätter See. Station eins ist punkto Coolness mit anderen Landeshauptstädten wie etwa Graz zwar nicht ansatzweise vergleichbar – die Innenstadt ist überschaubar und lässt sich an einem Tag locker erkunden. Ein paar Highlights gibt’s aber doch. Vor allem punkto Kulinarik. Hier unsere Tipps.

# Küche & Keller

Viele Top-Restaurants gibt’s zwar nicht in Klagenfurt. Die Kochwerkstatt am zentral gelegenen Benediktinermarkt lässt unsere Wiener Bobo-Herzen aber höherschlagen. Hier serviert Spitzenkoch Christian Cabalier, der zuvor das als „bestes Restaurant Kroatiens“ ausgezeichnete „Bistro Apetit“ führte, Gerichte mit kärntnerisch-mediterranem Touch. Wobei der Klagenfurter größten Wert auf lokale Produkte legt. Sämtliche Zutaten kauft er direkt bei den benachbarten Marktstandlern.

Wir genießen hier als Vorspeisen ein ganz vorzügliches Beef Tatar (9,90€) sowie die cremige Burrata mit Garnelen-Melonensalat, Basilikum und Avocado (10,90€). Als Hauptgänge die Kärntner Eierschwammerlcremesuppe (5,50€) bzw. die Eierschwammerlravioli mit Nussbuttercreme, Serrano-Schinken und Kresse (12,70€). Und zum Dessert einen flaumigen Topfenknödel mit marinierter Marille und Kokos-Nuss-Brösel (6,20€). Dazu haben wir die Wahl aus einer riesigen Weinkarte. Tischreservierungen sind hier unbedingt notwendig. Denn das kleine Bistro, das unter anderem von Falstaff, Gault&Millau, A la Carte sowie dem KURIER-Tafelspitz top bewertet wurde, verfügt nur über 25 Sitzplätze. Wer in der warmen Jahreszeit kommt, kann außerdem auf der Terrasse vor dem Lokal Platz nehmen.

Wein- und Antipasti-Fans würden wir auch die Genusskanzlei von „Genussrat“ Karl Rockenbauer empfehlen. Von außen ist der kleine Feinkostladen mit noch kleinerem Schanigarten in der Priesterhausgasse 1 zwar leicht zu übersehen. Wer wie wir auf gute Weine aus Österreich, Kärtner Craft Beer, Prosciutto, Roastbeef oder Käse steht, wird hier aber definitiv seine Freude haben. Zudem sind die Achtl-Preise moderat. Für zwei Gläser Wein und ein Loncium Rose Raspberry Ale haben wir nicht ganz 10 Euro bezahlt.

Urig ist das Ambiente, bodenständig die Karte im Pumpe, auch bekannt als Gasthaus zum Großglockner (Lidmanskygasse 2). Hier kommt klassische Wirtshaus-Küche auf den Tisch: Garniertes Essigfleisch mit Brot (10,50€, mit Kürbiskernöl 11,50€), Schweinsschnitzel (12,90€), Käsnudeln mit brauner Butter und grünem Salat (9,90€) und vor allem ein wirklich gutes Gulasch (klein: 7,90€, groß: 9,90€). Wirklich günstig ist das zwar nicht. Wer’s aber gern rustikal hat, ist hier gut aufgehoben. Einzig kleines Manko unserer Meinung nach: Im sehr gut besuchten Biergarten im Innenhof ist es relativ laut.

Ganz hervorragend in den Tag starten lässt es sich in der Hafenstadt im Lendhafen-Viertel (Villacher Straße 16). Hier kann man täglich bis 15 Uhr frühstücken. Außerdem gibt’s Lunch und Cocktails. Besonders gut gefallen haben uns die kreative Speisekarte und das wirklich bemühte Service. Die etwas höheren Preise für die nach Berühmtheiten benannten Frühstücksvariationen haben wir gern in Kauf genommen. Julia bestellte sich etwa „George Benson“ (12,80€). Hinter dem Jazz-Gitarristen verbergen sich (relativ konservativ) Gebäck, Butter, Avocado, Rührei, Schinken, Käse, Salami, Müsli mit Früchten, Joghurt, homemade Granola und ein Orangensaft. Bernhard war da mit „Peter O’Toole“ schon experimenteller unterwegs. Für 13,20€ gab’s Baked Beans in Tomatensauce, Würstchen, Blunznradln, Tomate, Champignons, Spiegelei und einen Pfiff Guninness-Bier. Im Falle eines Hangovers dürfte auch „Harald Juhnke“ (13,80€) gut ankommen. Das wäre ein Hühnersuppentopf mit Rührei, Rollmops, gemischt Saurem und einer Bloody Mary. Tischreservierung empfohlen!

Hervorragend frühschoppen, sich durch regionale, italienische sowie slowenische Spezialitäten kosten oder einfach einkaufen kann man am Klagenfurter Wochenmarkt, der donnerstags und samstags von 6:30 bis 13 Uhr auf dem Benediktermarkt stattfindet. Hier findet man unter anderem Kärntner Weine oder auch einen Stand der lokalen Craft-Beer-Brauerei Mahler.

# Sehenswürdigkeiten

Zugegeben, diese Liste ist nicht besonders lang. Und die Attraktionen sind nicht sonderlich spektakulär. Ein Tag reicht völlig, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Unbedingt besichtigen sollte man natürlich das Wahrzeichen der Stadt: Den Lindwurmbrunnen am Neuen Platz. Gehauen aus einem einzigen Block Chloritschiefer vom Kreuzbergl, dem „Hausberg“ der Klagenfurter, erzählt er eine schaurige Geschichte: Zur Zeit als in Karnburg Herzog Karast regierte, wuchs dort, wo heute Klagenfurt liegt, wildes Gesträuch im feuchten Moos. Auf den Bergen ringsum wohnten Menschen. Wer sich aber in den Sumpf verirrte, ward nicht mehr gesehen.

Der Herzog schickte deshalb tapfere Männer aus und versprach, sie reich zu belohnen, wenn sie der Ursache für das Verschwinden so vieler Untertanen auf den Grund gingen. Man vermutete ein Monster. So wurde also ein fetter Stier als Köder an eine Kette gebunden. Bald kam aus dem Sumpf ein scheußlicher Wurm heraus und packte das Tier. Die Knechte sprangen rasch hervor und mit eisernen Keulen gelang es ihnen, das Untier zu erlegen. Das ganze Land atmete auf, als es von seiner Plage befreit war, und die Leute siedelten sich in der Niederung an. An der Stelle des Drachenkampfes entstand ein Dörfchen, aus dem im Lauf der Zeit Klagenfurt erwuchs. Zum Andenken errichteten die Stadtväter den steinernen Lindwurm. Das Sagentier schaffte es auch aufs Stadtwappen Klagenfurts.

Die zweite (kleine) Sehrenswürdigkeit ist das Wörthersee-Mandl. Die kleine Bronzefigur am Dr.-Arthur-Lemisch-Platz wurde 1962 vom lokalen Künstler Heinz Goll geschaffen. Dargestellt wird ein kleiner Mann, aus dessen Fass endlos viel Waser in einen Brunnen läuft. Es soll Glück bringen eine Münze in den Brunnen zu werfen.

Einen herrlichen Panoramarundblick über die Altstadt der Kärntner Landeshauptstadt, über Wörthersee, Karawanken und Koralpe genießt man bei gutem Wetter vom 91,7 Meter hohen Turm der Stadtpfarrkirche St. Egid. Die Aussichtsplattform in 50 Metern Höhe ist dienstags bis freitags, jeweils von 11 bis 14 Uhr und von 15 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Der Zutritt kostet 4 Euro.

Einigermaßen überrascht waren wir, als wir in der Klagenfurter Fußgängerzone plötzlich vor einem „Harry Potter“-Kaffeehaus standen. Das Phoenix Book Cafe am Alten Platz ist ein Lokal für Nerds, Geeks und Fans von Fantasieliteratur. Neben „Enchanted Elf“-Iced Coffee (4,60€) und Buttered Beer (ohne Alkohol, 4,20€), wird hier vor allem eine Vielzahl an „Harry Potter“- und „Phantastische Tierwesen“-Merchandise-Artikeln geboten.

Insbesondere Familien mit Kindern dürfte der Reptilienzoo Happ (Villacher Straße 237) interessieren. Auf 4.000 Quadratmetern gibt es hier um die 1.000 Reptilien zu entdecken. Darunter giftige Mambas sowie Kobras. Gleich neben dem Reptilienzoo befindet sich zudem der berühmte Minimundus, wo 156 Miniaturmodelle berühmter Bauwerken aus aller Welt bestaunt werden können. Um von der Innenstadt zu den beiden letztgenannten Attraktionen zu gelangen, braucht man allerdings ein Auto oder öffentliche Verkehrsmittel (Die Linien 10 und 20 der Stadtwerke Klagenfurt halten an der Bushaltestelle „Minimundus“.)

# Wörthersee

Mit dem Auto gelangt man binnen weniger Minuten vom Stadtzentrum zum Wörthersee – der eigentlichen Attraktion Klagenfurts. Wir hatten eigentlich vor, uns ein Boot auszuborgen. (Elektroboote kosten bei der Bootsvermietung beim Strandbad 11€ für eine halbe und 22€ für eine ganze Stunde, Tretboote 7,50€ bzw. 15€ und Ruderboote 5€ bzw. 10€ – wobei als Einsatz ein gültiger Ausweis zu hinterlegen ist.) Aufgrund der Covid-Auflagen war aber leider kein Betrieb.

In normalen Zeiten kann sich das Freizeitangebot am Wörthersee aber durchaus sehen lassen. So bietet die örtliche Wasserskischule unter anderem etwa Seerundfahrten, Wakeboards, rasante Bananen- und Reifenfahrten, Gleitschirmfliegen, Motorbootfahrkurse und – wie der Name schon sagt – Wasserski an (Tel. 0676/600 66 88). In der Pizzeria Trattoria Villa Lido (Friedelstrand 1) lässt es sich zudem romantisch, mit Blick auf den See, essen und trinken – sofern man das Glück hat, einen freien Tisch zu ergattern. Die Qualität der Speisen können wir allerdings nicht beurteilen – wir kennen das schicke Restaurant nur vom Vorbeispazieren.

# Ausflüge

Nur etwa 25 Fahrminuten von Klagenfurt entfernt befindet sich der 850 Meter hohe Pyramidenkogel. Von dessen fast 100 Meter hohem Aussichtsturm genießt man nicht bloß einen großartigen Ausblick über die gesamte Region. Die aus elliptisch angeordneten Holzstützen bestehende Konstruktion, die sich spiralförmig in den Himmel schraubt, hat auch noch eine Reihe weiterer Highlights zu bieten.

Zuerst stellt sich aber die Frage, wie der höchste Holzaussichtsturm der Welt bezwungen werden soll: Als Besucher hat man die Wahl, wie Julia sportlich die 441 Stufen bis zur höchsten von drei Aussichtsplattformen in 71 Metern Höhe hochzusteigen. Oder wie Bernhard gemütlich den Panoramalift zu verwenden. 14€ Eintritt kostet das eine wie das andere.

Für 4€ extra kann man den Turm auf spektakuläre Art wieder verlassen – und zwar auf einem Teppich in der 120 Meter langen Edelstahlrutsche, die in 50 Metern Höhe ihren Anfang nimmt. Bis zur Eröffnung der Grazer Schlossberg-Rutsche im Vorjahr war dies die höchste geschlossene Rutsche Kontinentaleuropas. Der Slide mit rund 30 km/h dauert etwa 30 Sekunden – und aufgrund der engen steilen Kurven wurde uns beiden sogar ein bisschen mulmig im Magen. Den „Fly 100“, der zusätzlich zum Eintrittspreis noch einmal 15€ kosten würde, haben wir lieber gleich ausgelassen. Auf der 100 Meter langen Flying-Fox-Seilbahn rutscht man in 70 Meter Höhe in die Tiefe.

Vom Pyramidenkogel fährt man mit dem Auto noch einmal etwa 30 Minuten zur Burg Landskron bei Villach. Dort befindet sich mit dem Affenberg Österreichs größtes Affenfreigehege, wo rund 160 Japanmakaken fast wie in freier Wildbahn leben. Jede halbe Stunde führen Guides die Besucher über das Gelände (Erwachsene zahlen 13, Kinder bis 14 Jahren 6,50€). Aber erst nach einer Lektion in Affenkunde. Seit dieser wissen wir zum Beispiel, dass man Makaken nicht direkt in die Augen schauen sollte, wenn man sie nicht zum Zweikampf herausfordern will. Im Zuge des etwa 45-minütigen Rundgangs erfährt man aber noch weit mehr über die kleinen Affen. Dass sie Geräte bedienen können und vor Taschendiebstahl nicht zurückschrecken, wenn es darum geht, an Futter zu gelangen. Dass sie in einer Art Kastenwesen zusammenleben. Oder dass nicht das stärkste Männchen der Oberboss des Rudels wird, sondern das beliebteste.

Hunde dürfen übrigens weder mit auf den Aussichtsturm auf dem Pyramidenkogel, noch mit ins Affengehege. Bei Letzterem gibt es aber sogenannte Hundesuiten, in denen der Vierbeiner während des Besuchs untergebracht werden kann.

Unser Resümee zu Klagenfurt und Umgebung: Extra wegen der Landeshauptstadt muss man Kärnten unserer Meinung nach nicht besuchen. Aber wenn man schon mal da ist, lassen sich locker ein paar nette Stunden hier verbringen.

Weitere Eindrücke:

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here